Simones Work Life Balance

10. Mai 2018
Interview-Work_Life_Balance

Wie schafft man als Working Mum eine ausgeglichene Work Life Balance?

 

Simone ist für mich persönlich Vorreiterin zum diesem Thema. Hier verrät sie ihre Geheimnisse hinter einer ausgeglichenen Work Life Balance. Erfahre hier, welche Rolle für sie dabei die Alltagsorganisation, ihr Partner, gesunder Egoismus und Downshifting spielen…

 

In den Stories stelle ich Euch von Zeit zu Zeit Frauen vor, die mich als Mama inspirieren und von denen ich lernen kann. Ich weiß ja nicht, wie es Euch geht. Aber meiner Erfahrung nach ist keine Mama vom Himmel gefallen. Und wenn ich etwas die letzten Jahre gelernt habe, dann dass ein gutes Mama-Netzwerk und die wertvollen Tipps von anderen Mamas die halbe Miete ausmachen…

 

Als erste möchte ich Euch Simone vorstellen. Simone ist meine ganz persönliche „Preview-MUM“ und für mich Vorreiterin zum Thema Work-Life-Balance. Aktuell sorgen Simone und ihr Mann nämlich für reichlich Gesprächsstoff im Freundeskreis: Sie haben sich BEIDE für die 4-Tagewoche entschieden. Downshifting heißt der Trend. Dabei geht es darum die Arbeitszeit für ein selbstbestimmteres, erfüllteres Leben zu verringern.

Wir haben uns vor 5 Jahren über eine gemeinsame Freundin kennengelernt. Simones Große ist drei Jahre älter ist als meine Maus, der Kleine 2 Jahre älter als mein Lauser. Von ihr bekomme ich also immer einen guten Ausblick auf das was früher oder später auf mich zukommt – meine „Preview-MUM“. Immer ein Schritt voraus und topinformiert über sämtliche Themen und Trends von der Einschulung bis hin zum Entsafter;-).

Simone ist – wie schon nach ihrer Tochter – nach einem Jahr Elternzeit bei ihrem Zweiten wieder mit 25 Stunden die Woche in den Job zurück. Sie arbeitet bei einem großen deutschen Konzern im Personalwesen. Ihr Mann ist Projektleiter. Die Beiden sind keine modernen Hippies oder die Aussteiger-Typen. Ganz im Gegenteil. Sie leben mit ihren zwei Kindern in München in einem schicken Eigenheim, verbringen tolle Urlaube und gönnen sich auch mal gerne was. Eine Vorzeigefamilie wie sie im Bilderbuch steht und auch einen gewissen Anspruch hat. Für Beide ist aber ganz klar die Zeit mit der Familie das Allerwichtigste. Die Kinder sollen behütet aufwachsen und die richtigen Werte mitgekommen. Jetzt wo die Kinder 5 und 7 Jahre alt sind – der Kleine ist im Kindergarten, die Große im 1. Schuljahr – hat ihr Mann nachgezogen und sich mit Downshifting für mehr freie Zeit im Leben entschieden. Jetzt, mitten in der „Rush hour des Lebens“…

Ich habe mich mit Simone getroffen und wollte genauer wissen, wie sie sich organisiert und was ihre Tipps für eine ausgeglichene Work-Live-Balance sind.

 

 

Der ganz normale Alltagswahnsinn

 

Als ich Sie frage, wie Sie sich selbst beschreiben würde, muss Simone etwas überlegen und wird nachdenklich. Sie hat sich schon lange nicht mehr über ihre positive Seite Gedanken gemacht. Aber ja, sie würde sich als liebevoll, fürsorglich und zuverlässig sehen. Und gesteht dann:

 

„Es ist so schade, dass das Positive im Alltag kaum mehr Platz hat… Wenn ich über mich selbst nachdenke, empfinde ich mich schon auch oft als motzig und auch schlecht gelaunt. Aber das ist eben der Stresspegel. Die guten Eigenschaften gehen leider etwas unter…“.

 

Auch Simone stemmt den ganz normalen Alltagswahnsinn einer Working Mum. In der Früh kämpft man gegen die Zeit: Es gilt zwei – mal mehr, mal weniger – trödelnde, sich auch gerne mal gegenseitig pisackende Kinder für Schule und Kindergarten, sich selbst fürs Büro fertig zu machen und dann alle rechtzeitig mit Sack und Pack aus dem Haus zu buxieren. Sind die Kinder versorgt, geht’s schnell weiter ins Büro. Sie arbeitet in der Regel bis 14.00 Uhr. Dann geht’s wieder schnell zum Kindergarten. Sie versucht den Kleinen möglichste eine Stunde vor Ende der Buchungszeit holen, damit er nicht der Letzte im Kindergarten ist. Die Große hat mit der Schule schon mehr und vor allem immer unterschiedliches Programm. Eine Herausforderung in der Organisation. Es funktioniert am Ende, aber nicht selten ist der Tage ein einziges Gehetze. „Man versucht einfach alles irgendwie hinzubekommen. Mein Mann meint ja, dass ich gar nicht mehr lache mit den Kindern…“.

Das kenn ich und bin doch etwas überrascht, dass es Simone auch so geht. Sie wirkt immer so entspannt und ausgeglichen… Simone erzählt mir, dass es ihr am Spielplatz neulich ähnlich ging. Sie hat einer Mama erzählt, dass sie privat auch mal an die Grenzen kommt. Die war dann auch ganz überrascht: Was Du? Ich dachte immer Du bist die total entspannte Mutter und machst alles viel besser als ich…. Simone lacht:

 

„Da siehst Du mal was man für eine Außenwirkung hat. Nach Außen sieht es oft ganz anders aus.“

 

Aber auch sie kommt an ihre Grenzen. Und wir sind uns einig: Umso wichtiger ist die möglichst gute Organisation im Alltag und dass man auf sich achten. Ich möchte wissen, wo sie die besten Erfahrungen zur Entlastung im Alltag gemacht hat.

 

 

Simones Tipps zur Organisation im Alltag

 

Um die notwendige Flexibilität im Job und dem Familienmanagement zu haben, arbeitet sie einmal die Woche lang und ist so in der Regel Freitags daheim. An den langen Arbeitstagen übernimmt der Babysitter die Kinder am Nachmittag. Das wird immer unterschiedlich nach den Office-Terminen abgestimmt. Dieser Tag ist für sie dann auch etwas entspannter. Da muss man sie sich nicht so hetzten und kann sich etwas Zeit lassen. Den Freitag kann sie dann für Arzttermine etc. nutzen.

= TIPP 1: Entlastung durch flexible Arbeitszeiten!

 

Der aktuelle Babysitter ist ihre Nichte. Und auch ihre Eltern springen mal ein. Simones Familie lebt auch in München und unterstützt sie nach Kräften. Früher noch öfter, die Mutter ist mittlerweile aber auch 74 und nicht mehr so belastbar. Sie hatten nie einen regelmäßigen Oma-Tag wie das heute häufig in Familien gehandhabt wird. Dafür haben die Großeltern lieber ausgeholfen wenns „brennt“ und z.B. die Kinder krank sind. Das Problem war nur, dass die Oma dann leider selbst immer krank wurde. „Kind-krank“-Zeiten muss sie jetzt zwar selbst übernehmen, da kommt auch nicht ihre Nichte. Was mittlerweile aber super klappt, ist dass die Kinder ca. einmal im Monat für eine Nacht bei den Großeltern verbringen.

= TIPP 2: Entlastung durch Babysitter & Familie annehmen!

 

Simone hat Unterstützung im Haushalt. Sie hat eine Putzfrau und ein Fensterputzer. Gebügelt wird nicht, hier werden von vornherein Anschaffungen getätigt, die das möglichst nicht erfordern. Der Mann bringt die Hemden in die Reinigung, da werden die Blusen auch gleich mitgeben.

= TIPP 3: Unterstützung im Haushalt suchen und auslagern was geht!

 

Wenn keine Playdates oder sonstige Termine ansteht, macht Simone z. B. auch mal Einkäufe mit den Kindern am Nachmittag als Programm. Einkaufen ist für ihre Kinder immer ein Event. Das ist dann allerdings auch nachmittagsfüllend. Mit den Kindern kann man nicht einfach mal so schnell durchgehen, wie man das alleine machen würde. Aber so hat sie wieder etwas freie Zeit gespart, die sie dann wieder für sich nutzen kann.

= TIPP 4: Die Zeit mit Kindern auch mal effizient nutzen!

 

Ab und an probiert sie was Neues aus, lässt sich z.B. auch mal was liefern. Aktuell probiert sie den Lieferservice AmazonFresh. Das soll von den Lieferzeiten super sein und liefert auch Sachen von regionalen Feinkostanbietern. Super findet Sie, ist dass der Warenkorb tagelang gespeichert wird, falls mal was dazwischen kommt. Denn auch Online einkaufen dauert seine Zeit…

= TIPP 5: Offen sein und immer wieder Neues probieren!

 

Kommunikation und Abstimmung mit ihrer besseren Hälfte ist ein zentraler Punkt. Simone hat einen Onlinekalender für die Terminkoordination mit ihrem Mann. Eine App. Hier tragen beide ihre Termine ein. Jeder was er wann macht. Business und Privat. Der Eine kriegt einen Alert wenn der Andere was eingetragen hat. Man muss sich aber immer erinnern lassen. Sonst vergisst man die Termine. Den obligatorischen Küchenkalender kann das Tool aber nicht ersetzen. Die Kinder, d. h. die Große, sieht das ja nicht. Und die trägt als Schülerin da auch schon ihre Sachen ein. Aber mit dem Mann ist das super. Kommunikation ist im Alltag überhaupt zentral, auch bei Kleinigkeiten. Sonst werkelt man aneinander vorbei oder gar noch schlimmer: Wenn es blöd läuft, richtet sie sich die Dinge her, damit man es nicht vergisst. Er räumt es wieder weg, weil er Ordnung schaffen möchte… Simone und ihr Mann sind ein gutes Team und teilen sich die Arbeit um Kinder, Haus und Garten gut auf. Ein Kind hat grad eine verstopfte Nase. Eine Nacht hat er beim Kleinen geschlafen, eine Nacht sie. Hat man nämlich ein Kind im eigenen Bett, was sich hin und her wälzt, hat man schnell das Gefühl seit Tagen nicht richtig geschlafen zu haben… Wie sehr, dass man sich aufeinander verlassen kann merkt man dann erst, wenn einer kränkelt und ausfällt.

= TIPP 6: Mit dem Partner als Team funktionieren, Reden hilft!

 

Der Alltag ist und bleibt aber eine Herausforderung:

 

„Zeit für mich und auch Zeit mit meinem Mann, das ist bei mir nicht das Thema. Mein Problem ist der stressige Alltag: Hektisch, stressig, laut. Keiner macht das was ich sag. Das kann ich nicht haben.“

 

Gerade deshalb ist es wo wichtig, dass man auf sich Acht gibt. Was kann sie mir zur Work-Life-Balance mitgeben?

 

 

Simones Regeln für eine ausgeglichene Work-Life-Balance

 

REGEL Nr. 1: Lass dein soziales Leben nicht verkümmern!

Das soziale Leben darf nicht zu kurz kommen. Sonst wird man schnell frustriert. Seit sie zwei Kinder hat, geht es ihr besser. Sie geht mehr weg, macht mehr für sich. Beim Ersten hast sie sich Jahrelang ein zu schlechtes Gewissen gemacht. Die Große mag es heute noch nicht, wenn die Mama ausgeht. Sie ist damals fast gar nicht mehr weggegangen. Das war nicht gut. Heute nehmen sich beide regelmäßig mal eine Auszeit mit Freunden. Man trifft sich beim Afterwork oder auch mal übers Wochenende: Er beim Sporteln am Gardasee, sie fährt zum Wellnessen.

 

REGEL Nr. 2: Investiere in die Partnerschaft & Zeit zu zweit!

Aber auch als Paar muss man schauen, dass man es hinkriegt:

 

„Man muss das Geld für den Babysitter in die Hand nehmen und darf sich auch von den Kindern keine schlechtes Gewissen machen lassen.“

 

Sie hat einen Artikel gelesen: Die Liebe macht Pause. Wenn die Kinder so klein sind, dann macht die Liebe Pause. Das muss man dann so akzeptieren. Danach kann man wieder ein tolles Ehepaar sein. Man muss da einfach durch. Sie glaubt, dass das so ist. Das muss man überstehen. Und es wird ja wieder besser. Ihre Mama kommt nicht mehr so oft zum Babysitten, aber seit einem halben Jahr übernachten beide Kinder einmal im Monat bei Oma und Opa. „Das ist dann gleich wieder was anderes auch mit dem Mann. Allein schon mal das Aufstehen in der Früh, man trinkt entspannt einen Kaffee. Man ist gleich wieder lieber zueinander…“ Generell kommt bei Ihnen die Zeit zu zweit nicht zu kurz, weil sie auch ein Paar sind das ihre Zeit am Abend zusammen verbringt, d.h. der Eine geht nicht vor den Computer und der Andere macht was anderes. Sie essen auch zusammen. Die Kinder essen früher und gehen vorher ins Bett.

 

REGEL Nr. 3: Plane ein Jour Fix mit Zeit für Dich selbst ein!

Sie plant fixe Zeiten für sich selbst ein. Am Montagabend versucht sie immer zum Sport zu gehen. Und jeden Freitagvormittag macht sie was für sich. Diese Zeit gönnt sie sich einfach. Ganz bewusst:

 

„Das ist Luxus. Das kann nicht jeder“.

 

Meist geht sie Frühstücken mit Freundinnen, anschließend bummeln und zur Maniküre. Deshalb freut sie sich jetzt für ihren Mann. Der hat jetzt auf die 4-Tage-Woche reduziert. Der hatte sonst keine Auszeit. Der ging zur Arbeit und dann hatte er die Kinder am Wochenende.

 

 

Mit Downshifting mehr Lebensqualität

 

Uns haben sie sehr überrascht, als sie uns vor über einem halben Jahr erzählt haben, dass nun auch ihr Mann auf 80 % reduziert. Statt der fetten Gehaltserhöhung hat sich das Unternehmen darauf eingelassen, dass er seine Arbeit bei gleichbleibendem Gehalt reduziert. Die finanziellen Belastungen können damit gestemmt werden, dafür heißt es freie Bahn für mehr Leben. Man hat ja schon Einiges erreicht, kann sich auch das eine oder andere leisten und lebt nicht nur von Kartoffeln. Mit dem Downshifting wird eine klare Entscheidung für mehr Lebensqualität und gemeinsame Familienzeit und gegen „höher, weiter, schneller“ getroffen.

Sie folgen damit einem Trend, der eigentlich bei der jüngeren Generation Y zu beobachten ist, die keine Lust mehr darauf haben sich für große Jobs aufzuopfern und mehr vom Leben haben wollen. Absolut nachvollziehbar. Vor allem für die Jungen eben oder auch jene die den Großteil ihres Lebens hinter sich haben und den Rest der noch bleibt genießen wollen. Aber als familientaugliches Modell für eine junge Familie zwischen Nestbau, Nachwuchs und „vielleicht-geht-doch-noch-was-bei-der-Karriere“, hatte ich das bisher noch nicht auf dem Schirm. Ich finde es definitiv mutig. Simone und ihr Mann betrachten es durchaus als großer Luxus den sie sich da leisten und genießen es.

 

 

Ich nehme jedenfalls an diesem Abend drei Erkenntnisse mit nach Hause:

  1. Ein gesunder Egoismus ist notwendig um eine ausgeglichene Mama zu sein. Also weg mit dem schlechten Gewissen und Freunde, Partnern und Me-Time neben Kind und Kegel nicht vernachlässigen, denn: Eine ausgeglichene Mama = glückliche Mama = glückliche Kinder! Und der Stress lässt sich dann auch besser ertragen…
  2. Wenn es in der Familie eine Partnerschaft gibt, dann kann es nicht nur um die Work Life Balance von Einem gehen. BEIDE Partner müssen ihren Ausgleich haben. Auch wenn die Mamas meist die Doppelbelastung im Alltag stärker tragen. Hieß es in den 50ern noch „Happy wife, happy life“, so hat heute Papa genauso seinen Anspruch auf einen Ausgleich als „Happy daddy“ wie man seine gleichberechtigte Beteiligung im Haushalt und in der Kindererziehung fordert. Und davon profitiert nicht nur die Partnerschaft, sondern auch die Kinder, denn es gilt: Starke Eltern = starke Kinder!
  3. Eine ausgeglichene Work Life Balance und Me-Time ist die eine Sache. Mums brauchen aber auch griffige Ansätze zur Stressreduktion im Alltagswahnsinn. Ein Thema was mich auch auf dem Blog weiterhin stark beschäftigt…

Und den die Kalender App und den Lieferservice schau ich mir sicher noch genauer an!

 

 

Danke für das Interview, liebe Simone!
Ich habe wieder viel an diesem Abend für mich mitgenommen!

 

 

Unverzichtbar & Völlig überflüssig…

Unverzichtbar für Dich ist… : „Mein Handy ist das Wichtigste. Ohne das geht es nicht. Das habe ich ständig in der Hand. Recherchiere stundenlang. Aktuell Bettwäsche. Bestelle, google Erfahrungsberichte…“

 

Verzichten kannst Du auf…: „Menschen die mir nicht guttun. Die aus allem eine Challenge machen. Perfekte Mamas die nicht zugeben, dass es auch mal anstrengend ist. Da kann man gut darauf verzichten.“

 

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Comments ( 5 )

  • Pingback:Organisiert mit der Familienkalender App - MUM'S secrets

  • Nicole

    Schöner Blog?

  • Isabelle Bayer

    Super Artikel und überhaupt toller Blog! Mamas, die zusammenhalten und sich nicht mit Perfektionismus übertrumpfen versuchen sind mir die Sympathischsten! Bin überzeugt, das ist auch besser und lustiger für die Kids/Partner. Chapeau et Courage! (…und ein dicker Mutz!)

    • Elisabeth_admin1789P

      Vielen lieben Dank für das tolle Feedback! Ja, wir müssen viel mehr zusammenhalten und uns gegenseitig stärken. Der Alltag ist anstrengend genug und braucht nicht viel, oft sind es nur kleine Gesten, und wir können es uns so viel leichter machen… Dicken Mutz und Drücker!

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